Die Geburt einer selbsternannten Fotografin – oder wie ich zu einer Spiegelreflex kam

Tolle Fotos sind schon was Feines, am liebsten dokumentierte man seine Tiere (in meinem Fall das schönste Pferd der Welt) regelmässig um ja keine Veränderung fotografisch zu verpassen. Leider erwiesen sich in der Vergangenheit häufigere Engagements von Profis für diesen Zweck als schlecht für die Haushaltskasse. „Das muss doch auch selber gehen“, dachte ich und als dann auch noch eine Reise nach Australien auf dem Plan stand, war der Fall endgültig klar: Eine gute Kamera musste her.

 

Da war sie, die berühmte Qual der Wahl. Analytisch wie man als gelernte Applikationsentwicklerin nun mal ist, begann ich mit einer Aufstellung was die Kamera können sollte:

 

Gute Bilder schiessen -> das ist logisch. Obwohl… wer ist aus Prinzip Schuld wenn ein Bild in die Hose geht? Na klar! Die Kamera :-)

 

Schöne Bilder von Motiven in der Ferne -> tolles Mega-Zoom am besten gratis mit dabei

 

Nicht zu schwer -> Frau möchte in der Wildnis nicht mit 10kg Gepäck rum latschen

 

Maximal 500 CHF -> Im Urlaub sollte noch das Eine oder Andere drin liegen und das Feriengeld nicht schon vor Abreise für die Kamera drauf gehen. Ausserdem ist so ein Pferd sau teuer und lässt spontane grössere finanzielle Extras nicht zu.

 

Kurz gesagt: Ich suchte eine eierlegende Wollmilchsau in Kameraform zu günstigen Preisen.

 

Soweit so gut, die Suche begann. Welche Marke? Vor/Nachteile Spiegelreflex? Systemkamera? Nur Handy ausreichend? Schnell wurde ich auf Bridgekameras aufmerksam. Insbesondere die Nikon Coolpix 900p mit einem Mega-Zoom von 2000mm überzeugte mich. Mein Bilder schiessender Reisebegleiter war gefunden und erwies sich als ideal für Unterwegs (Bilder unter Diverses -> Australien).

 

Zurück in der Heimat begleitete mich die Kamera auch noch zu diversen anderen Städtetrips und Events. Auch mein Pferdchen musste einige Male als Motiv her halten.

 

Es kam wie es kommen musste: So gut die Kamera für Urlaube ist, so schlecht und unbefriedigend sind die Ergebnisse in Hallen und bei bewegten Bilder. Da Pferde die Angewohnheit haben sich im Galopp doch eher schnell zu bewegen, das gilt sogar für meinen Shire, war das Ergebnis meist verschwommen und unbefriedigend.

 

Was tun? Die Antwort: Eine neue Kamera als Ergänzung musste her. Erste Überlegung: für was soll die Neue gut sein. Antwort: Bewegte Bilder in der Natur, Naturaufnahmen und auch mal was in einer Halle. Wieder begann ich mit einer Anforderungsanalyse:

 

Tolle Bilder -> irgendwie hatte ich da ein Déjà-vu (schwieriges Wort, puh!)

 

Schnelle Reaktionszeit -> ist ja blöd wenn der Vogel schon lange weg geflattert ist bis die Kamera auslöst

 

Speicherung der Bilder in RAW -> selber entwickeln kann viele Fehler beim Schiessen ausbügeln dachte ich. Außerdem macht das Lernen von Bildbearbeitung Spaß.

 

WLAN -> Frau ist modern und möchte ihre fotografischen Ergüssen direkt auf’s Handy kriegen und mit der ganzen Welt teilen.

 

Zahlbare Objektive -> Sogar mir Anfänger war schnell klar dass ich ohne gescheite Objektive nicht auf den berühmten grünen Zweig kommen würde

 

Zahlbarer Body -> wenn doch nur das liebe Geld nicht wäre

 

Die Wahl fiel auf eine Canon EOS 800d, ausgestattet mit dem Kit-Objektiv 18-55 STM. Glaubt man den Berichten einschlägiger Testinstituten aus dem Internet ist diese ein gutes Mittelklassemodell. Einzig das Objektiv war noch nicht das was ich wollte, musste aber zum Anfang genügen. Es erwies sich bereits nach der ersten Anwendung (siehe z.B. Bilder unter Pferde) als zu schwach auf der Brust. Somit spare ich im Moment auf ein Tele-Objektiv welches ich hoffentlich bald erwerben kann.

 

So bin ich jetzt also stolze Besitzerin einer Spiegelreflex und mache mein ganzes Umfeld wahnsinnig mit meinen Paparazzi-Allüren. Überall wird geknipst und Einstellungen ausprobiert. Auch hege ich den Verdacht dass mein Pferdchen mittlerweile häufiger abgelichtet wurde als Claudia Schiffer zu ihren Glanzzeiten… mein Primeli ist ja auch viel hübscher und ist das bessere Motiv.

 

Die Kluft zwischen den Aufnahmen welche ein Profi von meinem Pferd in der Vergangenheit gemacht hat und denjenigen welche ich mache, hat momentan noch die Ausmaß des Andreasgrabens. Dieses „das muss doch auch selber gehen“ hat sich schon lange in ein „ich weiss jetzt warum ein Profi so viel Geld kostet“ gewandelt.

 

Auf den Boden der Realität angekommen, aber mit viel Spass am Lernen und Probieren werde ich hier die nächsten Monate aus meinem Leben als Hobbyfotografin erzählen und auch mal den Blog zum Ausweinen benutzen wenn mal wieder etwas nicht so funktioniert hat wie gewollt.

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